[Rezi] Knochenjob von Sarah Adler


© Drachenmond Verlag
Knochenjob von Sarah Adler

Erscheinungsdatum: 07.10.2016
Seitenzahl: 300 Seiten
Preis: 3,99 € (Ebook) / 12,90 (TB)
ISBN/ASIN: B01M6TJ2OK
Verlag: Drachenmond Verlag




Heute gibt es die Rezension zum 1. Buch meiner 18 für 2018 Liste. Das Buch ist Humorvoll, toll geschrieben und der Tod echt ein sympathischer Geselle.

Der Tod hat keine Lust mehr und braucht dringend eine Veränderung in seinem Job. Er hat einfach keinen Nerv mehr, ständig hinter Leben und seinen komischen Kreaturen herzuräumen. Und dann sind diese auch noch so undankbar und haben eine so schlechte Meinung von ihm, das einen das einfach nur in der Arbeitsmoral runterziehen muss. Ich meine, ist es da zuviel verlangt dass auch der Tod einfach nur mal Anerkennung für seine Leistung will? Einfach mal ein: Danke Tod, das du mich so nett ins Jenseits bittest. Aber da sich seine Kollegen wie Leben, Schicksal und Glück nur über ihn lustig machen, muss er wohl bis zur Chefetage vorrücken. Übrigens, wisst ihr eigentlich wie schön es war bevor Leben angefangen hat herumzuexperimentieren? Nein? Dann seid gespannt was der Tod euch so zu erzählen hat.

Ich hab ja ein Faible für Bücher im Stil von Knochenjob. Der Protagonist spricht mich als Leser direkt an, erzählt mir seine Geschichte brühwarm und exklusiv – sowas finde ich immer toll. Wenn das Buch dann noch einen trockenen Humor und zynische Sprüche hat – Volltreffer!
Der Tod als Charakter und als Erzähler war einfach genial. Er war mir so sympathisch, ein zynischer und doch liebenswerter Zeitgenosse mit dem man manchmal einfach nur Mitleid hat, aber auch wunderbar über ihn lachen kann. Dabei ist das Buch einfach nur locker und super flüssig geschrieben. Ich mag den Schreibstil der Autorin total gerne und dadurch das der Tod selbst seine Geschichte erzählt, kommt einem das ganze weniger wie ein Buch vor, sondern eher wie ein tolles Gespräch, ein Film oder ein Hörbuch. Apropos, ich kann mir die Geschichte super als Hörbuch mit einem passenden Sprecher vorstellen, dadurch würde sicher auch das Problemchen ausgemerzt das ich doch stellenweise hatte – dazu aber später mehr.
Die Idee hinter dem Buch war sowieso genial: der Tod fühlt sich benachteiligt weil er den Job mit der negativen Außenwirkung hat und möchte dringend eine Veränderung in seinem täglichen Brotjob. Super lustig umgesetzt. Wunderbar hat mir auch gefallen das all die anderen „Institutionen“ wie die Zeit, das Schicksal, das Glück etc. ebenfalls als Protagonisten dargestellt werden. Dabei ist jeder mal mehr mal weniger sympathisch. Und der Tod gibt dem Leser einen ganz anderen Blick auf die Evolution und die ganze Sache mit dem Leben und den Dinosauriern.
Außerdem strotzt das Buch vor coolen Metaphern, Vergleichen und Listen – ich liebe so etwas und es lockert das alles gut auf.

Was ich persönlich schade fand, war zum einen das sprunghafte Denken das der Tod an den Tag legt. Er springt vom roten Faden mit seinem Jobproblem immer hin und her in der Evolution und diversen Problemchen in der Vergangenheit und anderen Themen. Leider war das – zumindest im Ebook – nicht deutlich voneinander abgegrenzt und es fiel mir daher oft schwer zu erkennen was gerade Sache war. Das könnte ich mir jetzt durch andere Schrift oder in einem Hörbuch zum Beispiel durch Musikuntermalung oder dergleichen besser vorstellen. Außerdem gibt es noch amüsante Fußnoten zu diversen Gelegenheiten, aber auch hier ist dies im Ebook sehr schlecht umgesetzt. In manchen Ebooks sind diese Fußnoten mit einem Link hinterlegt um direkt zu den Erklärungen der Fußnoten zu springen und wieder zurück. Dies hier nicht der Fall und die Erklärungen finden sich immer erst zu Ende des Kapitels. Bis ich dort angekommen bin, habe ich allerdings bereits wieder vergessen worauf sich die Anmerkung bezieht – mit dem Ergebnis das ich die Erklärungen schlichtweg ignoriert habe. Sehr schade, ohne diese beiden Dinge wäre es sicher sogar ein Highlight geworden. Eventuell ist das ja beim Print einfacher, aber auch da stelle ich es mir nervig vor. Die Fußnoten ans Ende jeder Seite zu setzen wäre vielleicht besser gewesen. Ansonsten konnte mich das Buch wirklich sehr sehr gut unterhalten.
Der Tod ist echt eine coole Socke, das Leben ein Arschloch und die anderen alle nur neidisch!
Ein Buch, prall gefüllt mit dem Tod als humorvollen und zynischen Erzähler der einfach mal keinen Bock auf Arbeit hat. Tolle Metaphern und Vergleiche, ein wunderbarer Schreibstil und eine absolut toll umgesetzte Grundidee. Hätte ich nicht die Umsetzung der Fußnoten und diverse Gedankensprünge zu bemängeln, hätte es sogar für die volle Punktzahl gereicht. Auf jeden Fall ein richtig gutes Buch genau nach meinem Geschmack.


"Niemand wurde jemals alleine geboren. Niemand starb jemals alleine. Ich war doch da. Gebt euch nicht der Einsamkeit hin." (Seite 239)








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